Gesellschaftliche Bedeutung von Tattoos

Tätowierungen hatten ursprünglich im Westen das Stigma des Matrosen oder Sträflings, erfreuen sich aber spätestens seit den 90er Jahren größerer Beliebtheit. Was vorwiegend als Ausdruck einer Jugendkultur begann, die auch Piercing und Branding umfasst, ist heute in breiten Gesellschaftsschichten vorzufinden. Zahlreiche Prominente, die sich öffentlich mit Tätowierungen zeigten, trugen zu einer zunehmenden Akzeptanz bei. Dennoch werden Tätowierungen nach wie vor auch als Code und Sprache innerhalb krimineller Banden verwendet. So sind beispielsweise unter Anhängern der russischen Mafia „Diebe im Gesetz“ den tätowierten Motiven begangene Straftaten, abgesessene Gefängnisjahre oder die Hierarchie innerhalb der Gruppe zu entnehmen.

Tätowierungen bei Kriminellen

In den westlichen Ländern sind unter Häftlingen und ehemaligen Häftlingen Spinnen am Hals oder Hinterkopf, Tränen am Gesicht gelegentlich anzutreffen. Das wohl bekannteste Motiv sind drei oder fünf Punkte, die sich zwischen Daumen und Zeigefinger befinden. Mit ihr symbolisieren die Häftlinge ihre Loyalität mit den Mitinsassen, die sich darauf verlassen können, dass sie nicht verraten werden. Ein anderes Motiv, das aus dem Gefängnis bekannt ist, ist die Träne unter dem Auge des Häftlings. Sie steht für mindestens zehn abgesessene Jahre, oder aber den Mord an einem Menschen. Nach weiteren zehn Jahren wird die nächste Träne gestochen. Auch wer ein Spinnennetz trägt, berichtet mit diesem Motiv über seine Gefangenschaft. Auch heute noch werden diese Zeichen teilweise genutzt, allerdings größtenteils von gewaltbereiten Straftätern. Mehr zu diesem Thema findest du unter dem Artikel Bedeutung von Tattoos von kriminellen Organisationen und Gang-Tattoos.

Kinder Tätowierungen

Kinder nutzen Klebebilder, die sich leicht wieder entfernen lassen, aber unter dem Begriff Tattoo oder Tätowierung firmieren. Analog dazu finden sich auch sogenannte Hennatätowierungen, die nicht in die Haut gestochen, sondern aufgemalt werden. Hier wird nur die Hornschicht der Oberhaut eingefärbt. Da diese verhornten Zellen kontinuierlich abschuppen, verschwindet die vorgebliche Tätowierung nach einigen Wochen.

Andere Arten von Tätowierungen

Diese Entwicklung zeigt die Annäherung des Tätowierens an den Mainstream, ermöglicht sie doch eine Tätowierung als Modeaccessoire. Auch die Bio-Tätowierung verschwindet angeblich nach einigen Jahren von selbst, weil nicht so tief gestochen wird. In Wirklichkeit geschieht das aber nur sehr selten, wenn überhaupt, da es quasi unmöglich ist, so genau zu arbeiten, dass weder zu flach gestochen wird (die Tätowierung verschwindet schon während der Heilung) noch zu tief (die Tätowierung bleibt). Mindestens Teile oder ein Schatten der Tätowierung bleiben zumeist erhalten. Daher wird von seriösen Tätowierern davor gewarnt. Ebenfalls gibt es noch die Henna-Tattoos, die nur oberflächlich auf die Haut “gezeichnet” werden. Mehr zu diesem Thema findest du hier.

Permanent Make-up

Eine Sonderform ist das sogenannte Permanent Make-up, bei dem die Konturen von z. B. Augen, Lippen hervorgehoben oder besser gesagt nachgezeichnet oder schattiert werden. So lassen sich auch Operationsnarben verstecken oder ein Brustwarzenhof rekonstruieren.

Motive, Stile und neue Trends

Waren Anfang des 20. Jahrhunderts Tätowierungen fast nur bei Seeleuten, Soldaten, Angehörigen der Unterwelt oder Häftlingen zu sehen, so entwickelte sich in den späten 1980er Jahren wieder ein Trend zu Tattoos. Vor allem gewisse Musikszenen machten Tätowierungen zu einem Bestandteil ihrer Subkultur.

In den 90er Jahren erfuhren Tätowierungen einen wahren Modetrend. Vor allem sogenannte Tribal-Tattoos erlebten hier ihre Hochblüte. Tribals (manchmal auch Iban genannt) fanden in verschiedensten Formen den Weg unter die Haut. Unter der scherzhaften Bezeichnung Arschgeweih war vor allem bei Trägerinnen häufig ein auf dem Steiß platziertes Tribal-Tattoo zu finden.

Ende der 90er Jahre gab es in der Tattoo-Szene einen Trend zu sogenannten Old-School-Motiven. Dies sind Motive, die ihren Ursprung häufig in alten Seemannstätowierungen haben. Beispiele für Motive dieses Genres sind Sterne, Schwalben, Anker oder Herzen.

Einen weiteren Trend stellen sogenannte Geek- oder Nerd-Tattoos dar. Die Motive stammen in der Regel aus dem akademischen Bereich oder dem Computerbereich und spiegeln die wachsende Popularität von Geekstyle und Nerdcore wider.

Laut einer Studie einer Universität aus dem Jahr 2009 nimmt der Anteil der Tätowierten an der Schweizer Bevölkerung zu. So stieg der Anteil der tätowierten Männer im Alter zwischen 25 und 34 Jahren von 22,4 % (2003) auf 26 % (2009), der der tätowierten Frauen zwischen 25 und 34 Jahren verdoppelte sich sogar beinahe von 13,7 % (2003) auf 25,5 % (2009). Die beliebtesten Stellen waren dabei die Arme und der Rücken.