Henna-Tattoo

Geschichte und Ursprung des Henna-Tattoos

Körperbemalungen sind wahrscheinlich so alt wie die Menschheit selbst. Für die Verwendung von Henna als Kosmetik-, Färbe- und Heilmittel existieren die ältesten Nachweise aus dem alten Ägypten.

Die mit Henna auf den Körper aufgebrachten Symbole haben ihre eigene Bedeutung und sollen meist Glück und Gesundheit bringen. Entsprechend der religiösen und traditionellen Hintergründe unterscheiden sich die Muster von Kultur zu Kultur. Typisch für die indische Henna-Malerei sind beispielsweise feine Linien und Strukturen, meist werden Blumenartige- oder Paisley-Muster gewählt.

Auch werden hier ganze Körperpartien bemalt, was in anderen Ländern nicht so häufig vorkommt. In Südindien findet sich häufig ein Kreismuster, das auf die Handflächen gemalt wird. Zusätzlich werden die Fingerspitzen eingefärbt.

Islamische Henna-Kunst

Bei der islamischen Hennakunst werden praktisch nur Hände und Füsse bemalen. Während in Indien durchaus figürliche Darstellungen wie menschliche Gesichter, Vögel und andere Tiere üblich sind, werden diese von den Moslems vermieden, da es ihnen verboten ist, solche beim Beten am Körper zu tragen. Beliebt sind dafür grosse, florale und geometrische Designs. Häufig bedecken die Muster fast die ganze Hand, wobei auch die Fingerkuppen und -nägel mit Henna gefärbt werdet.

Henna-Kunst in Afrika

Im Sudan findet man sehr grossflächige Motive, die gewöhnlich mit schwarzem Henna (Saumer) aufgetragen werden, das fast ausschliesslich von Männern angewendet wird. Die afrikanische Hennamalerei zeichnet sich durch breite Konturen aus, die meist geometrische Figuren darstellen.

In Nordafrika finden sich wiederum kunstvolle Muster nicht nur auf Schmuckstücke sondern auch an den Händen, die auf den ersten Blick wie Spitzenhandschuhe aussehen.

Henna-Tattoos bei Naturvölker

Manche Naturvölker tragen Henna ohne jegliche Muster auf die Haut auf. Hier steht im Vordergrund die Heilkraft von Henna. Die bemalten Hautstellen sind so vor zu starker Sonneneinstrahlung geschützt und die desinfizierende Wirkung der Pflanzenextrakte beschleunigt die Wundheilung bei möglichen Verletzungen oder Verbrennungen.

Eine wichtige Rolle spielt die Körperbemalung mit Henna bei Hochzeiten.

Henna-Tattoos bei Hindus in Nordindien

Bei den Hindus Nordindiens ist eine Hochzeit ohne das traditionelle Mehndi-Ritual kaum denkbar. Am Abend vor der Vermählung versammeln sich die weisen Frauen des Ortes, die weiblichen Mitglieder beider Familien sowie die Freundinnen der Braut in deren Haus, um die Braut entsprechend zu schmücken.

Nicht teilnehmen dürfen Witwen, die nach indischer Sitte keinen Grund mehr zur Freude haben. Im übrigen soll es die Braut bis zum vollständigen Verblassen ihrer Körperbemalung vermeiden, Witwen anzuschauen, da diese Unglück bringen sollen. Nach dem Bad bemalen die Frauen gemeinsam Hände, Unterarme, Füsse und Unterschenkel der Braut mit den ausgewählten Mustern, wobei Glückwünsche ausgesprochen werden.

In eines der Designs wird häufig der Name des Bräutigams aufgenommen, den dieser dann in der Hochzeitsnacht finden muss, was lange dauern kann. Ein Brauch, der dazu dient, Hemmungen ab- und Erotik aufzubauen. Die Tradition will es, dass der allererste Mehndi-Punkt von der zukünftigen Schwiegermutter auf die Hand der Braut aufgetragen wird, der Punkt gilt als symbolischer Segen, der für die Braut von hoher Bedeutung ist.

Die fröhliche Zeremonie der Mehndi-Malerei, bei der viel gesungen und gealbert wird, hat neben der Verschönerung der Braut den Sinn, dass sich die Frauen beider Familien besser kennen lernen und die junge Frau in die Geheimnisse des Ehelebens eingeweiht wird. In einigen Regionen Indiens wird auch der Bräutigam mit Mehndis geschmückt. In bestimmten Gebieten Kaschmirs und Bangladeschs gibt es sogar ganz spezielle Motive, die ausschliesslich Männern vorbehalten sind.

Ähnlich wie in Indien wird auch in der Golf-Region Saudi-Arabiens, in Bahrein, Kuwait und den Vereinigten Emiraten verfahren. Allerdings beginnen hier die Mehndi-Feierlichkeiten bereits einige Tage vor der Hochzeit. Auch bei Geburten und Taufen spielt hier die Körperbemalung mit Henna eine wesentliche Rolle. In Marokko gibt es den schönen Brauch, den Bräutigam während der Junggesellenfeier mit Henna-Tattoos zu schmücken, die ihm von seinem Trauzeugen, der unverheiratet sein muss, aufgemalt werden.

Keltische Tattoos 

Seit einiger Zeit sind auch keltische Tattoos gross in Mode. Diese werden für abwaschbare Muster mit anderen Farben wie Textilfarben, wasserlöslichen Gesichtsfarben oder flüssigen Tattoo-Farben mit der Hand oder mit der Airbrush-Methode aufgetragen, haben aber inzwischen auch in die Henna-Kunst Einzug gehalten. Die Kelten haben nicht Henna als Farbe verwendet, sondern “Waid”, einen blauen Farbstoff. Es gibt zudem Überlieferungen, dass die Kelten besonders farbenfroh bemalt waren, wobei ein Design selten aus mehr als vier Farben bestand, die alle pflanzlicher Natur waren.

Historische Quellen über die Körperbemalung der Kelten gehen zurück bis zur Mitte des 1. Jahrhunderts v. Chr. Auch Cäsar beschrieb in seinem Gallischen Krieg die Bemalung der Kelten. Zudem gibt es Quellen, aus denen hervorgeht, dass die Kelten Nordbritanniens nackt gewesen seien und ihre Körper mit Tiermotiven bemalt präsentierten.

Tatsächliche Funde aber, die dies wissenschaftlich untermauern, gibt es nicht. Hingegen gibt es Funde ab 400 n. Chr., die zeigen, wie einfallsreich und kreativ die Kelten waren und wie stark sie römische und byzantinische Muster adaptieren. In den Klöstern entstanden herrliche Bücher, die vor allem bei Randverzierungen und Dekoren das ganze Können der damaligen keltischen Künstler zeigen.

Auch Schmuck-Handwerker, Schmiede und Steinmetze bedienten sich ausdrucksstarker Muster wie Flechtwerk und Treppen. Mit dem Verbot der keltisch Kirche (644 n. Chr.) wurde die keltische Kunst sehr stark eingegrenzt. In den folgenden Jahrhunderten wurde das Kunstzeitalter der Kelten Vergangenheit. Erst während des 19. Jahrhunderts wurde die keltische Kunst wieder entdeckt.

Wieder in Mode

Seit den 70er Jahren kamen auch hierzulande keltische Tätowierungen in Mode, die zuvor in Grossbritannien Furore machten. Wer keine Tätowierung auf Lebenszeit wünscht, wählt die Methode des Permanent Make-Up, das etwa fünf Jahre auf der Haut verbleibt, oder bedient sich der Körperbemalung mit Henna, die zwischen einer und acht Wochen beständig ist. Für schnelllebige Partyeffekte bedient man sich eines abwaschbaren Liners.